Discussion:
Bessere Ankertechnik gesucht
(zu alt für eine Antwort)
Sebastian Hanigk
2011-09-21 06:42:02 UTC
Permalink
Guten Morgen,

nachdem wir gestern unseren Törn im Mai in Kroatien nochmals Revue
passiert haben, habe ich eine Frage zum geschickten
Ankern. Ausgangsfakten: Charter-Bavaria 44 ab Veruda, Pflugscharanker
mit 50m Kette auf der Bugwinsch und ein Danforth-Anker mit 10m Kette und
40m Tau in der Backskiste.

Wind auffrischend mit ca. 10-15kn aus NNE-NE (bis hin zu 35kn Bora am
letzten Tag), Ankerbuchten jeweils an der südwestlichen Küste von
Premuda bzw. Vognisca auf Unije (fjordartig nach Südosten
geöffnet). Maracol auf Unije war schon belegt, außerdem gab's keine
ausgelegten Bojen. Untergrund war - soweit erkennbar - eher harter Sand,
vermischt mit Geröll.

Wie nicht anders zu erwarten, habe ich die beiden Nächte mehr mit der
Ankerwache als mit Schlafen verbracht, da der Buganker stets unter Zug
über den Grund rutschte und sich auch im x-ten Anlauf nicht vernünftig
eingegraben hat.

Durchgespielte Ideen (damals an Bord und gestern über einem Bier):
- Verkatten des Bugankers mit dem Ersatzanker; fallengelassen, da zu
theoretisch und Problem, den Anker vernünftig an die Kette
anzuschäkeln/anzubändseln.
- Vermuren mit beiden Ankern; ebenfalls nicht so geschickt, da keine
Strömungs- oder Windänderung zu erwarten war, so daß der Vorteil der
Methode nicht gegeben war.
- Ersatzanker als Ankerreiter; mangels Befestigungsmöglichkeit auch
fallengelassen.

Die Option, die gesamte Kette zu stecken, war wohl auch nicht gegeben,
da die Buchten relativ schmal waren (zumindest Unije), und so selbst
beim Ankerfallen so weit luv wie möglich uns der Wind an die leewärtige
Uferseite gedrückt hat.

An guten Ideen, Tips und Ratschlägen bin ich natürlich in Voraussicht an
den nächsten Törn sehr interessiert.


Viele Grüße,

Sebastian
Alexander Stielau
2011-09-21 08:17:09 UTC
Permalink
Post by Sebastian Hanigk
- Verkatten des Bugankers mit dem Ersatzanker; fallengelassen, da zu
theoretisch und Problem, den Anker vernünftig an die Kette
anzuschäkeln/anzubändseln.
Ich hab drei oder vier mal versucht, beim Ankern zu verkatten, um
rauszufinden, wie das geht. Entweder hab ich da ein wichtiges Detail
nicht verstanden bzw. herausgefunden, oder, das kann einfach nicht
richtig funktionieren, zumindest nicht, wenn man mit einer Yacht ohne
Taucher unterwegs ist.
Entweder hat man Zug auf dem äußeren Anker und dessen Geschirr - dann
hindert man den inneren Anker am vernünftigen Eingraben (das ist dann
nur noch ein Reitgewicht, siehe unten :-), oder man hat Last auf dem
inneren Anker, dann ist der äußere nutzlos, bis der innere ausbricht.

Würde ich nicht machen, vor allem nicht, wenn es drauf ankommt.
Post by Sebastian Hanigk
- Vermuren mit beiden Ankern; ebenfalls nicht so geschickt, da keine
Strömungs- oder Windänderung zu erwarten war, so daß der Vorteil der
Methode nicht gegeben war.
Vermurren finde ich brauchbar, und vorallem auch durchführbar, wenn man
es ein paar mal selbst probiert hat. Im Gegensatz zum Verkatten kann man
beeinflussen, daß beide Anker Last bekommen und sich zumindest etwas
eingragen, auch wenn man das sicher nicht 50/50 hinbekommt. Der Vorteil
ist, daß sich die Last von dem Punkt, an dem die Trossen/Ketten
zusammengesteckt sind, etwas auf beide Anker verteilt und man damit mehr
Kette stecken kann, ohne daß man einen riesigen Schwoikreis bekommt.

Das kann man auch mal testen, wenn Ententeichbedingungen sind, dann
klemmt man sich nicht so oft die Finger und findet besser raus, welche
Ketten/Leinenlängen geeignet sind, so daß man die Anker auch wieder
vernünftig geborgen bekommt.
Ich kenne das Revier nicht persönlich, ist dort die Wassertiefe auf
Ankerplätzen über 10 Meter (also hier: Kettenvorlauflänge Zweitanker)?

Wenn man vermurrt, ist es clever, die Längen der Ketten von dem Punkt,
an dem sie zusammen geschäkelt sind bis zu den Ankern unterschiedlich
lang zu haben, weil sich dann weniger Chaos entwickelt, wenn beide Anker
schlüren und langsam zusammenrutschen und sich in der Endposition
dann gegenseitig am Eingraben hindern.
Post by Sebastian Hanigk
- Ersatzanker als Ankerreiter; mangels Befestigungsmöglichkeit auch
fallengelassen.
Das mit der mangelnden Befestigungsmöglichkeit verstehe ich nicht ganz.

Entweder, das Reitgewicht wird ähnlich befestigt wie der Vermurranker -
also star auf einem frei zu wählenden Punkt auf der Kette des
Hauptankers - oder Du lässt das Reitgewicht an einem großen Schäkel auf
der Hauptkette hinuntergleiten und steuerst die Position des
Reitgewichts an dessen eigener Leine.
Wenn es auf dem Charterschiff keinen großen Schäkel gibt, dann tut
eventuell ein Karabiner aus einer Lifeline, zur Not auch eine auf die
Hauptkette gefummelte, entsprechend aufgeschnittene PET-Flasche.

Ich finde die zweite Methode (Reitgewicht an eigener Leine) einfacher
beim Ankeraufgehen.

Insgesamt würde ich in einigermaßen tidenfreien Gewässern eher mit
Reitgewicht arbeiten als zu vermurren. Ist einfacher in der Handhabung
Andererseits ergibt das Reitgewicht nur Sinn, wenn es wirklich schwer
ist. Nach meiner Erfahrung ist das bei in Backskisten gefahrenen Ankern
(auch mit 10 Meter Kette als Vorlauf) nicht immer der Fall.
Falk Willberg
2011-09-21 10:43:46 UTC
Permalink
Post by Alexander Stielau
Post by Sebastian Hanigk
- Verkatten des Bugankers mit dem Ersatzanker; fallengelassen, da zu
theoretisch und Problem, den Anker vernünftig an die Kette
anzuschäkeln/anzubändseln.
Ich hab drei oder vier mal versucht, beim Ankern zu verkatten, um
rauszufinden, wie das geht. Entweder hab ich da ein wichtiges Detail
nicht verstanden bzw. herausgefunden, oder, das kann einfach nicht
richtig funktionieren, zumindest nicht, wenn man mit einer Yacht ohne
Taucher unterwegs ist.
http://de.wikipedia.org/wiki/Verkatten

"In der Praxis der Schifffahrt findet dieses Verfahren heute keine
Beachtung und wurde wahrscheinlich niemals erfolgreich angewandt" ...
"Nach Ansicht des Weltumseglers Wolfgang Hausner stellt das Verkatten in
der seemannschaftlichen Fachliteratur eine Art Running Gag dar, da es
sich kein Autor leisten kann, diese virtuose Ankertechnik nicht zu
erwähnen, als Hohe Schule zu preisen und mangels eigener praktischer
Erfolgserlebnisse von einem früheren Autor abzuschreiben."

Tja...

Falk
Alexander Stielau
2011-09-21 11:47:55 UTC
Permalink
Post by Falk Willberg
http://de.wikipedia.org/wiki/Verkatten
"In der Praxis der Schifffahrt findet dieses Verfahren heute keine
Beachtung und wurde wahrscheinlich niemals erfolgreich angewandt" ...
"Nach Ansicht des Weltumseglers Wolfgang Hausner stellt das Verkatten in
der seemannschaftlichen Fachliteratur eine Art Running Gag dar, da es
sich kein Autor leisten kann, diese virtuose Ankertechnik nicht zu
erwähnen, als Hohe Schule zu preisen und mangels eigener praktischer
Erfolgserlebnisse von einem früheren Autor abzuschreiben."
Tja...
Ok, dann bin ich also nicht zu dämlich. Schön.
Sebastian Hanigk
2011-09-21 10:55:47 UTC
Permalink
[Verkatten]
Würde ich nicht machen, vor allem nicht, wenn es drauf ankommt.
Siehe Falks Antwort. Verkatten in der Kleinseglerpraxis ist wohl kaum
anwendungsnah.
Vermurren finde ich brauchbar, und vorallem auch durchführbar, wenn man
es ein paar mal selbst probiert hat. Im Gegensatz zum Verkatten kann man
beeinflussen, daß beide Anker Last bekommen und sich zumindest etwas
eingragen, auch wenn man das sicher nicht 50/50 hinbekommt. Der Vorteil
ist, daß sich die Last von dem Punkt, an dem die Trossen/Ketten
zusammengesteckt sind, etwas auf beide Anker verteilt und man damit mehr
Kette stecken kann, ohne daß man einen riesigen Schwoikreis bekommt.
Problem: Wenn ich in der letzten Bucht sinnvoll vermurt hätte, wäre das
Boot mit der Breitseite voll im Wind gestanden und ich bin mir nicht
sicher, ob das die Anker dann gehalten hätten.

Zum Festmachen prinzipiell: Eine der Heckklampen mit der Ankertrosse
belegen und zum Aufholen dann die Vorschot-Winsch?
[Ankerreiter]
Wenn es auf dem Charterschiff keinen großen Schäkel gibt, dann tut
eventuell ein Karabiner aus einer Lifeline, zur Not auch eine auf die
Hauptkette gefummelte, entsprechend aufgeschnittene PET-Flasche.
Tja, Charterboot halt. Da ist nix drauf, was man außer im Badewannenfall
brauchen kann. Nächstes Mal bin ich klüger und pack' ein paar Sachen
ein. Der Lifeline-Lösung habe ich wegen der Schnappkarabiner mißtraut,
Flasche ist uns nicht eingefallen.

Ach so, Landfeste ist uns auch noch eingefallen, aber da hat uns die
spartanische Leinenausstattung einen Strich durch die Rechnung gemacht.


Grüße,

Sebastian
Alexander Stielau
2011-09-21 11:47:06 UTC
Permalink
Am Wed, 21 Sep 2011 12:55:47 +0200 schrieb Sebastian Hanigk:

[Vermurren]
Post by Sebastian Hanigk
Zum Festmachen prinzipiell: Eine der Heckklampen mit der Ankertrosse
belegen und zum Aufholen dann die Vorschot-Winsch?
Ich habe bisher immer im Wasser vermurrt, also den zweiten Anker in die
Ankerkette des ersten eingeschäkelt (an einer Stelle, die beim Bergen
über Wasser liegt :-) habe.
Dadurch ergibt sich dann ein Ypsilon, es geht eine Kette ins Wasser, und
teilt sich dann auf die beiden Anker auf.
Vorteil: Man kann frei über den Ankern drehen, ohne das ständig
mindestens eine der Ketten übers Schiff rödelt

Ich finde gerade kein Bild, Google findet viele Bilder zum Thema
vermurren, aber keins, was mit unserem Thema zu tun hat.

Ah, hier:
https://docs.google.com/viewer?a=v&q=cache:vorIQQ4dh2YJ:yctm.at/cms/images/pdf/artikel-archiv/artikel81.pdf+&hl=de&pid=bl&srcid=ADGEESj8z76mH5PsLceT7wfKOdGPvQ-qjh6gV_iBEsP6YN2cFFBF55_0wvU9ti3RczQbYrNLmjQefe3PL3zcLvK8_b7QB8l-IuwnGm3MWsojW1cRCYjOh-j3al-h_hlXpVQ_7wxhfK9s&sig=AHIEtbQGytdTw6BdJG2kCaY6cl5dh7xMvg&pli=1

Geile URL.
Oder als PDF: yctm.at/cms/images/pdf/artikel-archiv/artikel81.pdf
Post by Sebastian Hanigk
Ach so, Landfeste ist uns auch noch eingefallen, aber da hat uns die
spartanische Leinenausstattung einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Anker kann man auch an Land ausbringen :-)
Sebastian Hanigk
2011-09-21 13:45:32 UTC
Permalink
Post by Alexander Stielau
Ich habe bisher immer im Wasser vermurrt, also den zweiten Anker in die
Ankerkette des ersten eingeschäkelt (an einer Stelle, die beim Bergen
über Wasser liegt :-) habe.
Dadurch ergibt sich dann ein Ypsilon, es geht eine Kette ins Wasser, und
teilt sich dann auf die beiden Anker auf.
Hmm, das war auch einer der Pläne, scheiterte aber wie die
Ankerreiterlösung an einer sinnvollen Befestigungsmöglichkeit des
zweiten Ankers an der Kette. Deren Glieder sind leider viel zu eng
gewesen, als daß der Schäkelbolzen des Heckankers durchgepasst hätte und
einem kleinen Bändsel habe ich nicht wirklich Vertrauen entgegengebracht ...
Post by Alexander Stielau
Post by Sebastian Hanigk
Ach so, Landfeste ist uns auch noch eingefallen, aber da hat uns die
spartanische Leinenausstattung einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Anker kann man auch an Land ausbringen :-)
Hinterher ist man immer klüger *g*, das wäre evtl. sogar eine Option
gewesen. Muß nächstes Mal bei schönem Wetter testen, ob das mit dem
Dinghi geklappt hätte.


Grüße,

Sebastian
Tobias Crefeld
2011-09-22 23:54:00 UTC
Permalink
Post by Sebastian Hanigk
Post by Alexander Stielau
Ich habe bisher immer im Wasser vermurrt, also den zweiten Anker in die
Ankerkette des ersten eingeschäkelt (an einer Stelle, die beim Bergen
über Wasser liegt :-) habe.
Dadurch ergibt sich dann ein Ypsilon, es geht eine Kette ins Wasser,
und teilt sich dann auf die beiden Anker auf.
Gute Beschreibung, hatte dieses "Ypsilon" bei den letzten Törns in
Schottland auch immer im Einsatz.

Bei einem Boot sogar mit einem kleinen Stockanker als Zweitanker. Gerade
bei dem dort häufigen Kraut hält der sehr gut, brachte aber halt zuwenig
Gewicht mit. Durch das Vermuren stellte sich dann regelmäßig die Situation
ein, dass der CQR-Anker samt Kette "Gewicht machte" und das Boot letztlich
nur am Stockanker hing. Dafür sollte der Kettenvorlauf des Zweitankers
halt nicht zu lang sein.

Ansonsten habe ich immer zugesehen, dass die Anker möglichst weit
auseinander lagen, aber das dürfte nur in einem Tidenrevier relevant sein.
Also CQR lediglich kurzstag fallen lassen, Kettenvorlauf des Zweitankers
außenbords an der Hauptkette anschäkeln, Zweit-Anker mittschiffs
außenbords halten und mit dem Fieren der Hauptkette auf Zug kommen lassen
bis man ihn nicht mehr halten kann.

In einem "normalen" Revier spielt sicher mehr ne Rolle, dass man mit
mehreren Ankern die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass zumindest einer von
ihnen greift und man hat trotzdem wenig Probleme mit Kettensalat bei
wechselnden Schwoi-Richtungen
Post by Sebastian Hanigk
Hmm, das war auch einer der Pläne, scheiterte aber wie die
Ankerreiterlösung an einer sinnvollen Befestigungsmöglichkeit des
zweiten Ankers an der Kette. Deren Glieder sind leider viel zu eng
gewesen, als daß der Schäkelbolzen des Heckankers durchgepasst hätte und
einem kleinen Bändsel habe ich nicht wirklich Vertrauen entgegengebracht ...
Bändsel ist nur ein Notbehelf, weil es aufgescheuert wird.

Aber ein kleinerer Schäkel reicht ja. Man sollte sich hin und wieder auch
die konkreten Kräfte vor Augen führen: Die Kette braucht man in erster
Linie wegen ihrem Gewicht und in zweiter Linie wegen möglicher
Scheuerstellen am Ankergrund. Deren höhere Festigkeit spielt de facto
keine Rolle, weil die Zugkräfte nur selten 100 'kg' übersteigen - hängt
natürlich von Rumpf und Wind und Strom ab, aber in der Größenordnung liegt
das und da darf man für eine Nacht schon auch einen entsprechend kleineren
Schäkel dazwischenhängen.
Oder man schlingt das Kettenende um die "große" Kette und hängt die Kette
in sich selber ein. Das reduziert die Belastung der Befestigung um 50%.
Und rutschen tut die Chose bei normalen Ketten nicht.
Post by Sebastian Hanigk
Post by Alexander Stielau
Post by Sebastian Hanigk
Ach so, Landfeste ist uns auch noch eingefallen, aber da hat uns die
spartanische Leinenausstattung einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Anker kann man auch an Land ausbringen :-)
Hinterher ist man immer klüger *g*, das wäre evtl. sogar eine Option
gewesen. Muß nächstes Mal bei schönem Wetter testen, ob das mit dem
Dinghi geklappt hätte.
Nun, das macht eigentlich nur als Zweite Feste Sinn. Ansonsten braucht man
schon großen Vertrauen in Rasmus, dass er den Wind nicht über Nacht drehen
läßt.

In Schottland haben wir öfters ähnlich beengte Verhältnisse gehabt. Und
wenn es draußen hackt, bist Du eigentlich ganz froh um eine möglichst
kleine Bucht, die dem Wind wenig Fetch zur Wellenbildung bietet.
Andererseits hast Du dort Tide und das heißt, spätestens nach 6 h dreht
das Boot. Was mit einer Landfeste an Deck dazu führt, dass das Boot
spätestens dann mehr oder minder viel Winddruck von der Seite bekommt,
wenn es wegen der Landfeste nicht in den Wind drehen kann.

Wir haben dann öfters den Anker mit der Landfeste vermurt. Also bei oben
beschriebenen Ypsilon statt dem Kettenvorlauf des Zweitankers an derselben
Stelle die Landfeste anschäkeln, danach erstmal normal "einfach" mit CQR
ankern. Anschließend mit Dinghi Landfeste ausbringen und richtig dicht
nehmen. Nachdem die Landfeste fast nur den Anker "zieht", geht das ganz
gut und anschließend hat der Anker ordentlich flachen Zug, so das er kaum
noch ausbrechen kann. Die Hauptkette kann man dann wieder etwas dicht
nehmen und anschließend dreht das Boot nur noch mit kleinem Radius um den
Schäkelpunkt.


BTW - in Eurem Fall, als Non-Tidenrevier, hätte ich wahrscheinlich (kenne
die Größe der Anker nicht) aus Faulheit was anderes gemacht: CQR gegen
Danforth tauschen!
Ich denke es ist kein Zufall, dass die Anker auf großen Schiffen meist
Danforth-Plattenanker sind - oder zumindest nach demselben Konzept gebaut
sind.
So wie es sicher auch kein Zufall ist, dass die superleichten Fortress-
Anker ebenfalls Plattenanker sind.

Die CQR haben in erster Linie einen Vorteil: Sie passen gut in den
Bugroller, klappern nicht rum und haben keine Querstange, die irgendwo
hängen bleiben kann. Nur zum Ankern sind sie weniger gut geeignet.
--
Gruss,
Tobias.
Sebastian Hanigk
2011-09-24 08:58:28 UTC
Permalink
tc-***@myway.de (Tobias Crefeld) writes:

Morgen,
Post by Tobias Crefeld
Aber ein kleinerer Schäkel reicht ja. Man sollte sich hin und wieder auch
die konkreten Kräfte vor Augen führen: Die Kette braucht man in erster
Linie wegen ihrem Gewicht und in zweiter Linie wegen möglicher
Scheuerstellen am Ankergrund.
mit der Erfahrung wächst die Liste. Nächstes Jahr packe ich jedenfalls
mal einen Satz passender Schäkel zusätzlich ein.
Post by Tobias Crefeld
In Schottland haben wir öfters ähnlich beengte Verhältnisse gehabt. Und
wenn es draußen hackt, bist Du eigentlich ganz froh um eine möglichst
kleine Bucht, die dem Wind wenig Fetch zur Wellenbildung bietet.
Na ja, zu klein sollte die Bucht auch nicht sein. Die Bucht vom letzten
Abend war so aus'm Stegreif ca. eine halbe Meile lang (nutzbar eher nur
eine Viertelmeile) und sechs bis acht nutzbare Bootslängen
breit. Fjordartig in die Insel nach NNW geschnitten. Der Wind kam mehr
oder minder genau quer über die Bucht.
Post by Tobias Crefeld
BTW - in Eurem Fall, als Non-Tidenrevier, hätte ich wahrscheinlich (kenne
die Größe der Anker nicht) aus Faulheit was anderes gemacht: CQR gegen
Danforth tauschen!
Der CQR war schon ein recht leichter Gesell (frag' mich nicht nach dem
genauen Gewicht, evtl. irgendwo in der Größenordnung Biertragl), der
Danforth noch viel leichter. Hätt' dann wohl auch nix mehr gebracht, zu
tauschen.


Viele Grüße,

Sebastian
Tobias Crefeld
2011-09-26 21:18:00 UTC
Permalink
Post by Sebastian Hanigk
Post by Tobias Crefeld
BTW - in Eurem Fall, als Non-Tidenrevier, hätte ich wahrscheinlich
(kenne die Größe der Anker nicht) aus Faulheit was anderes gemacht: CQR
gegen Danforth tauschen!
Der CQR war schon ein recht leichter Gesell (frag' mich nicht nach dem
genauen Gewicht, evtl. irgendwo in der Größenordnung Biertragl), der
Danforth noch viel leichter. Hätt' dann wohl auch nix mehr gebracht, zu
tauschen.
Muss nicht sein, kann aber: gemäß empfohlenen Schiffslängen ist für
dasselbe Boot der Danforth-Plattenanker immer leichter als sein CQR
Pendant.

Plattenanker und Artverwandte leben in erster Linie von ihren scharfen
Flunken, die sich leicht eingraben und danach die ganze Plattenfläche als
Widerstand anzubieten haben. CQR lebt dagegen mehr von seinem Gewicht.

Aber klar: Auf Fels und/oder Kraut kommen sie alle an ihre Grenzen.
--
Gruss,
Tobias.
Ignatios Souvatzis
2011-09-21 13:59:58 UTC
Permalink
Post by Alexander Stielau
Anker kann man auch an Land ausbringen :-)
Uhm, ich dachte das machen Piraten oder ähnliche, die die Befestigungen
des spanischen Gouverneurs besteigen wollen?

-is
--
seal your e-mail: http://www.gnupg.org/
Harald Maedl
2011-09-21 19:57:19 UTC
Permalink
Post by Ignatios Souvatzis
Post by Alexander Stielau
Anker kann man auch an Land ausbringen :-)
Uhm, ich dachte das machen Piraten oder ähnliche, die die Befestigungen
des spanischen Gouverneurs besteigen wollen?
Nicht nur, neuerdings ankern sie auch vorm "Abgeordnetenhaus von
Berlin". Vermutlich reicht als Anker hierbei eine Steckdose und ein
Stromkabel für den Schlepptop.
Allgemein wäre in Analogie zu "Fischers Luftdübel" ein funktionierender
Luftanker durchaus wünschenswert...
Ignatios Souvatzis
2011-09-21 20:22:16 UTC
Permalink
Post by Harald Maedl
Allgemein wäre in Analogie zu "Fischers Luftdübel" ein funktionierender
Luftanker durchaus wünschenswert...
Hier sind eher Luv-Tanker on-topic...

$-IS
--
seal your e-mail: http://www.gnupg.org/
Wolfgang Allinger
2011-09-21 21:00:00 UTC
Permalink
On 21 Sep 11 at group /de/rec/sport/segeln in article
Post by Harald Maedl
Nicht nur, neuerdings ankern sie auch vorm "Abgeordnetenhaus von
Berlin". Vermutlich reicht als Anker hierbei eine Steckdose und ein
Stromkabel für den Schlepptop.
Allgemein wäre in Analogie zu "Fischers Luftdübel" ein
funktionierender Luftanker durchaus wünschenswert...
Frag mal bei Siemens, die hatten Lufthaken :)


Saludos Wolfgang
--
Wolfgang Allinger 15h00..21h00 MEZ: SKYPE:wolfgang.allinger
Paraguay mailer: CrossPoint XP 3.20 (XP2) in WinXPprof DOSbox
Meine 7 Sinne: reply Adresse gesetzt!
Unsinn, Schwachsinn, Bloedsinn, Wahnsinn, Stumpfsinn, Irrsinn, Loetzinn.
Alexander Stielau
2011-09-21 20:39:48 UTC
Permalink
Post by Ignatios Souvatzis
Post by Alexander Stielau
Anker kann man auch an Land ausbringen :-)
Uhm, ich dachte das machen Piraten oder ähnliche, die die Befestigungen
des spanischen Gouverneurs besteigen wollen?
In den Schären ist das auch üblich.
Meist zwar durch spezielle Felsanker, aber es gibt auch Leute,die ihren
normalen Buganker an Land schleppen und hinter einen Baum haken.
M. Handschuher
2011-09-22 09:45:44 UTC
Permalink
Post by Sebastian Hanigk
Die Option, die gesamte Kette zu stecken, war wohl auch nicht gegeben,
da die Buchten relativ schmal waren (zumindest Unije), und so selbst
beim Ankerfallen so weit luv wie möglich uns der Wind an die leewärtige
Uferseite gedrückt hat.
Wenn's denn sein muß und sich keine andere Lösung bietet, dann hätte ich
wohl versucht, meinen Buganker längs einer Bucht, die einigermaßen in
Windrichtung liegt, zu legen (volle Kettenlänge) und mittels des
Zweitankers vom Heck aus die Zugrichtung zu sichern. Da ich alleine mit
dem Heckanker in Mykonos schon mal bei BF8 von der Seite sicher gelegen
habe, gehe ich davon aus, daß das auch in Kroatien funktioniert.

Wobei's natürlich drauf ankommt, wie man ankert. Anker per Winde fieren
geht i.d.R. schief.

Manfred
Otto Koehn
2011-09-22 10:44:14 UTC
Permalink
Post by Sebastian Hanigk
Guten Morgen,
Wind auffrischend mit ca. 10-15kn aus NNE-NE (bis hin zu 35kn Bora am
letzten Tag), Ankerbuchten jeweils an der südwestlichen Küste von
Premuda bzw. Vognisca auf Unije (fjordartig nach Südosten
geöffnet). Maracol auf Unije war schon belegt, außerdem gab's keine
ausgelegten Bojen. Untergrund war - soweit erkennbar - eher harter Sand,
vermischt mit Geröll.
An guten Ideen, Tips und Ratschlägen bin ich natürlich in Voraussicht an
den nächsten Törn sehr interessiert.
Viele Grüße,
Sebastian
Hallo Sebastian,
Unje kenne ich nicht so gut, aber Premudas Ankerbuchten sind bei
Schönwetter herrlich aber nur dann. Der Ankergrund: Maximal eine dünne
Sandschicht auf Steinboden, teilweise auch noch bewachsen. Da hält kein
Anker vernünftig und man muß bei Wind an die Bojen in der Passage vor
dem Ort/Fährhafen gehen oder eine Bora-Landleine ausbringen. Ich hasse
Landleinen, aber da muß es sein.
Gruß
Otto
Wolfgang Soergel
2011-09-23 21:21:41 UTC
Permalink
Die konkreten Buchten in Kroatien kenne ich nicht, aber so ganz generell
zum Ankern:
+ Außer in ganz ruhigen Situationen mit bombenfestem Grund halte ich
Ankerwache (permanent oder stichpunktartig) für eine gute Idee. Ist bei
üblicher Chartercrewstärke ja auch für jeden keine große Störung der
Nachtruhe. Außerdem manchmal ganz lustig (*).
+ Egal wie geankert: Wenn der Hauptanker nicht hält kann man es
vergessen. Nochmal, ggf. an einem anderen Platz, ggf mehr Kette etc.
Überhaupt: Im Zweifel mehr Kette. "3-5 mal Wassertiefe" ist vielleicht
die korrekte Antwort auf eine Prüfungsfrage...
+ Bei engen Buchten: Landleine, am besten 2. Aber auch da muss der
Hauptanker natürlich eingegraben sein und nicht nur einfach auf den
Grund geworfen.
+ Recht gute Erfahrungen, auch bei Winddrehern, habe ich mit einem im
ca. 60-100 Grad Winkel zum Hauptanker ausgebrachten Zweitanker. Bei den
üblichen "10m Kette + langer Festmacher (oder deren 2)" an der Bugklampe
befestigt. Ausbringen folgendermaßen: Festmacher an der Bugklampe
befestigen, außerbords ans Heck führen. Dinghi wassern. Erst den Anker
auf den Bug legen, Stock nach vorne. Dann die Kette ins Boot, Leine
anschäkeln, Leine obenauf. 2 Mann ins Dinghi, durch einholen der Leine
nach vorne hangeln. Motor an und rückwärts mit Schwung und gerade in die
gewünschte Richtung (an Bord bei nicht geübten Soziusfahrern Kamera
bereithalten ;-)). Man wird etwas nass, geht aber recht gut, ohne Leine
in Schraube etc. Leine und Kette sollten quasi von selbst abspulen, wenn
dann die Kette auf Spannung ist den Anker fallen lassen und von Bord
dicht nehmen. Falls sich der Zweitanker sehr gut eingräbt ist es
hilfreich, wenn er weniger als die Kettenlänge des
Hauptankers+Bootslänge von diesem entfernt liegt, wenn man wieder weg
will. Alternativ ein kräftiges Crewmitglied.
+ Generell: Rechtzeitig da sein, Plan B haben. Zeit lassen beim
einankern, auch wenn es der x. Versuch ist.


Servus
Wolfgang

(*) Ich war vor Porto Veccio mal nahe dran der Crew auf einer vor uns
"verankerten" Yacht zuzurufen, dass ich gerade NICHT dabei bin ihnen ins
Heck zu fahren. Sie habens dann doch gemerkt... Aber irgendwie waren von
den knapp 10 Schiffen in der Gegend die Hälfte dann doch irgendwie tätig
überrascht, dass "Abends SE3, nachts SW 4-5" tatsächlich stattgefunden
haben...
Post by Sebastian Hanigk
Guten Morgen,
nachdem wir gestern unseren Törn im Mai in Kroatien nochmals Revue
passiert haben, habe ich eine Frage zum geschickten
Ankern. Ausgangsfakten: Charter-Bavaria 44 ab Veruda, Pflugscharanker
mit 50m Kette auf der Bugwinsch und ein Danforth-Anker mit 10m Kette und
40m Tau in der Backskiste.
Wind auffrischend mit ca. 10-15kn aus NNE-NE (bis hin zu 35kn Bora am
letzten Tag), Ankerbuchten jeweils an der südwestlichen Küste von
Premuda bzw. Vognisca auf Unije (fjordartig nach Südosten
geöffnet). Maracol auf Unije war schon belegt, außerdem gab's keine
ausgelegten Bojen. Untergrund war - soweit erkennbar - eher harter Sand,
vermischt mit Geröll.
Wie nicht anders zu erwarten, habe ich die beiden Nächte mehr mit der
Ankerwache als mit Schlafen verbracht, da der Buganker stets unter Zug
über den Grund rutschte und sich auch im x-ten Anlauf nicht vernünftig
eingegraben hat.
- Verkatten des Bugankers mit dem Ersatzanker; fallengelassen, da zu
theoretisch und Problem, den Anker vernünftig an die Kette
anzuschäkeln/anzubändseln.
- Vermuren mit beiden Ankern; ebenfalls nicht so geschickt, da keine
Strömungs- oder Windänderung zu erwarten war, so daß der Vorteil der
Methode nicht gegeben war.
- Ersatzanker als Ankerreiter; mangels Befestigungsmöglichkeit auch
fallengelassen.
Die Option, die gesamte Kette zu stecken, war wohl auch nicht gegeben,
da die Buchten relativ schmal waren (zumindest Unije), und so selbst
beim Ankerfallen so weit luv wie möglich uns der Wind an die leewärtige
Uferseite gedrückt hat.
An guten Ideen, Tips und Ratschlägen bin ich natürlich in Voraussicht an
den nächsten Törn sehr interessiert.
Viele Grüße,
Sebastian
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